Was sieht jemand, der einen Ort sieht? Was der, der auf eine Landkarte blickt? Und: was von einem Ort merken wir uns, wie sehen unsere kognitiven Landkarten, unsere Landkarten im Kopf, aus? Auf diese Grundfragen komme ich bei der Beschäftigung mit topographischer Fotografie immer wieder zurück. Um mehr über Mechanismen unserer Wahrnehmung und mentale Abbilder zu erfahren, bitte ich die Teilnehmer dieses Projekts, ihre persönliche Landkarte(n) Dortmunds zu produzieren. Umfang, Format und Technik lasse ich bewusst offen. Sind genügend Karten, genügend Übersetzungen mentaler Modelle imaginärer Räume in physische Modelle, vorhanden, lassen sich Fragen der Raumwahrnehmung, zu Visualisierungs-Strategien und zu persönlicher und kollektiver Identität diskutieren. Das soll in einer kleiner Publikation und/oder einer Veranstaltung im Projektraum Fotografie geschehen. Wer eine Karte beisteuert, erhält dafür von mir nach Abschluss des Projekts einen Abzug eines meiner Fotos. Hier drei einführende Zitate:
Wir alle, auch diejenigen, die meinen, selbst auf das Geringfügigste geachtet zu haben, behelfen uns nur mit Versatzstücken, die von anderen schon oft genug auf der Bühne herumgeschoben worden sind. Wir versuchen, die Wirklichkeit wiederzugeben, aber je angestrengter wir es versuchen, desto mehr drängt sich uns das auf, was auf dem historischen Theater von jeher zu sehen war: der gefallene Trommler, der Infanterist, der gerade einen anderen nierdersticht, das brechende Auge eines Pferdes, der unverwundbare Kaiser, umgeben von seinen Generalen, mitten in dem erstarrten Kampfgewühl. Unsere Beschäftigung mit der Geschichte, so habe Hilarys These gelautet, sei eine Beschäftigung mit immer schon vorgefertigten, in das Innere unserer Köpfe gravierten Bildern, auf die wir andauernd starrten, während die Wahrheit irgendwoanders, in einem von keinem Menschen noch entdeckten Abseits liegt.
– W.G. Sebald: Austerlitz
Sehe ich eine offene Landschaft, frage ich mich immer noch, wo ich meine Panzer eingraben würde.
– Ein Offizier der Panzertruppe a.D.
Before filming started I showed some painting to the children. The result were very revealing and mysterious. I remember one, an Italian renaissance painting which had in the background an entire city with castles and harbours and hundreds of people weaseling around unloading ships, all sorts of things going on. I would project a slide of the picture for maybe ten seconds and then turn it off and ask the children, ‘What have you seen?’ And four or five of them in one voice shouted, ‘A horse! A horse!’ ‘Where on earth is the horse?’ I said to myself. So I put the slide back on and searched. ‘Down there!’ they all shouted. And yes, in the corner of the picture was a single horse and a single horseman with a lance. It makes me think to this very day.
– Werner Herzog: Herzog on Herzog
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